Die Malerin Silke Blomeyer begann ihr Kunststudium 1986 an der Ecole des Beaux-Arts in Rennes. 1988 wechselte sie an die Münchener Akademie der Bildenden Künste zu den Professoren Tröger und Zeniuk. Am Ende ihres Studiums war Silke Blomeyer Meisterschülerin bei Zeniuk.
In der Ausstellung sind ungegenständliche Ölbilder aus vier Arbeitsjahren zu sehen, die die künstlerische Entwicklung Silke Blomeyers zu wachsender formaler Vereinfachung und steigender Komplexität der Farbbeziehungen belegen.
In den Bildern werden Form und Farbe als autonome Ausdrucksmittel behandelt, das heißt sie haben keine über ihre eigene Erscheinung hinausweisende Bedeutung. Sie unterliegen lediglich den Gesetzen der Bildlogik, die sie selbst konstituieren und damit den Beziehungen, die sie untereinander eingehen.
 
Am Anfang der Ausstellung stehen Bilder, die aus unregelmäßigen, farbigen Formstücken komponiert sind. Flächenform und Farbrhythmus sind in weitestem Sinne noch aus einer abstrahierenden Gegenständlichkeit abgeleitet, aber bereits so weit vom konkreten Gegenstand entfernt, daß sie als ungegenständliche Farb-Formgebilde erscheinen.
Im weiteren entschied sich die Künstlerin konsequent gegen jeden expressiven formalen Ausdruck zugunsten sich wiederholender, geometrischer Teilungen der Bildfläche. Die Gemälde zeigen eine Vierteilung, eine Querteilung und eine regelmäßige, sich durchdringende vertikale und horizontale Gliederung. So entstehen einfachste, aus dem Bildformat abgeleitete Strukturen, die als Gerüst zur Entwicklung von Farbigkeiten dienen. Das Angebot der Bilder von Silke Blomeyer für den Betrachter liegt ausschließlich auf der Ebene der Farbwahrnehmung.
Die formale Beschränkung auf der einen Seite soll es ermöglichen, auf der anderen Seite die Farbwirkungen präziser als differenzierte, autonome vor allem aber als aktive Farberscheinungen darstellen zu können: Jede Farbe im Bild beeinflusst die anderen Farben in ihrer Wirkung und wird selbst von den anderen Farben beeinflusst, so daß am Ende ein kompliziertes Netz von Farbwirkungen und -beziehungen auf der Leinwand zum Vorschein kommt.
Die Künstlerin läßt dieses Farbgewebe in einem langen Malprozess entstehen. Sie übermalt ihre Bilder immer wieder und verändert sie dabei so lange vollständig, bis ein klares Gleichgewicht der Farben untereinander erreicht ist. Das Farbgewebe existiert deshalb nicht nur in der Fläche, sondern auch in mehreren übereinandergelegten Farbschichten. Dieses Vorgehen bleibt auch auf dem fertigen Bild sichtbar, zum Beispiel durch einen transparenten Farbauftrag, dadurch, daß die Künstlerin nie auf der Palette sondern immer direkt auf der Leinwand mischt und vor allem an den unregelmäßigen Rändern, wo untere Farbschichten bestimmend in Erscheinung treten.
Die Qualität der Bilder von Silke Blomeyer liegt darin, daß sich jede Farbe im Bild als Farbindividualität behauptet und damit Gleichgewicht und Bildspannung aufrechterhält. Erst durch die sichtbar gemachte Kraft der Farben und den Ausgleich dieser Farbenkräfte gegeneinander wirkt das fertige Bild dicht, klar und geschlossen. Es stellt am Ende selbst ein Kraftfeld dar, das über sich hinausstrahlt. Die Bilder sollen das Auge so unmittelbar ansprechen, wie Töne das Gehör, der Farbklang der Bilder soll sich ausbreiten, wie Musik.